Akkuschrauberrenner

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Wie alles begann:

Seit einigen Jahren gibt es das HAWK-Akkuschrauberrennen, bei dem Universitäten gegeneinander antreten. 2011 durfte 1-2-do.com ausnahmsweise auch ein Team stellen. Akkurace stellte sich der Aufgabe und baute den 1-2-do-Renner. Bei der Aktion musste ich dabei sein! So bekam ich den ersten Kontakt zu den Schrauberfahrzeugen und auch zu Steffen (Akkurace), der mich und meine Tochter einlud zum Akkuschraubercup nach Töplitz zu kommen. Dort durfte Julchen mit dem 1-2-do-Renner am Rennen teilnehmen und trug einen Pokal (3.Platz) nach Hause.

Mein Versprechen im darauf folgenden Jahr 2012 mit eigenem Renner anzutreten, hielt ich natürlich ein und wir waren damit sehr erfolgreich. 1.Platz für Julchen, Geschwindigkeits- und Rundenrekord, Schrauberpokal für mich und ein exklusiver Nachrichtenbeitrag im Lokalen Fernsehen lassen einem nach weiterem streben 🙂 (Bild 4-6 und Video)

 

Das weitere Streben wird nun mit zwei Schraubern betrieben (92Nm), liegt wie ein Brett auf der Straße und schafft 27km/h. Damit wollen wir es wieder packen.

Akkurenner 2013_008 Akkurenner 2013_009Angefangen habe ich mit der Idee und meiner Suche nach Rädern. So bin ich zum Schrottplatz und habe mein Leiden vorgetragen. Die Leute waren interessiert und ein Baggerfahrer meinte, dass er gerade den Tag alte Kinderwagenräder entsorgen wollte und diese nur vergessen hat. Perfekt. Zwei Tage später wollte ich die Räder holen und erlebte eine Überraschung. „Komm mal mit, ich habe da was.“ Zum Vorschein kam ein altes Kettcar mit Verlängerung (wahrscheinlich für Benzinmotor). Das ist meine Basis! Zumindest sollte sie es sein. Steffen wollte das Teil haben um einen Zweisitzer daraus zu bauen. Im Gegenzug bekam ich ein originales unverbautes Kettcar. Aber das war nun meine Basis.

Als erstes muss sich das Kettcar natürlich nackig machen und behielt nur noch die Lenkung und den Trägerrahmen. Nach einigen Versuchen verabschiedete ich mich von dem schweren teil auch noch und ersetze diesen durch 20er Alu-Vierkantrohr. Nachdem mir die Form gefiel, wurden bereits die ersten Profile gebohrt und verschraubt.

Ein großes Dankeschön an Bosch und 1-2-do, dass ich die PBD 40 testen durfte. Damit machen solche Bohrarbeiten wie auf dem ersten Bild richtig Spaß.Die Profile mit den fünf Löchern in Reihe dienen der Sitzverstellung.

Da das erste Fahrzeug schwarz/gold war und ich noch genug Farbe habe, war diese auch für den neuen Renner geplant.

Die Lagerböcke sind aus fertigen Alu-Vierkant hergestellt (breite mit Nut für sicheren Halt auf den Profilen und schmalere zur Führung). Auf einem CNC-Bearbeitungscenter bekamen alle die Lagerlöcher und Kernlochbohrungen zur Befestigung. Die Gewinde für die Befestigungsschrauben habe ich zu Hause auf der PBD 40 geschnitten und zusätzliche Befestigungslöcher für die Lager angebracht.Damit in den breiten Lagerböcken zwei Lager jeweils außen sitzen, habe ich zusätzlich Distanzbuchsen gedreht.

Als An- und Abtriebsachse kommt 10er VA-Stahl zum Einsatz. Dazu habe ich mir Zahnräder gekauft, diese passend ausgedreht und ein zusätzliches Loch mit Gewinde als Mitnehmer gebohrt.

Vorweg:

Die Idee mit Fahrradrädern wurde verworfen und ich nutze nun doch wieder Kinderwagenräder. Desweiteren wurde die schräge Rahmenhalterung gerade positioniert damit ich die Böcke besser befestigen kann.

Dann ist eigentlich nicht viel weiter zu sagen – Alle Teile werden verbaut und die Antrieb bekommt Formen.

Nun das Beste, die Schrauber dürfen an die Arbeit. Dazu habe ich die Antriebswelle in die Schrauber gespannt und gesehen, wie ich die Schrauber am besten befestige. Zum Einsatz kamen dann Rohrschellen, die einfach ideal passten.

Um wieder einen Gasgriff verwenden zu können und eine Bremse unterzubringen, musste der runde Lenker weichen und stattdessen ein Fahrradlenker drauf. Da war wieder der Metaller gefragt. Die originale Lenkstange besteht auch achter Rund, welche am oberen Ende auf 6mm angeflacht ist. Da ich in den Lenker kein abgeflachtes Loch bohren kann, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. Der Lenker bekam ein 8er Loch und zusätzlich fertigte ich ein kleines Stück Blech mit einer 6er Nut an. Dieses wurde nun auf die Lenkstange gesteckt und kann so die Lenkbewegung auf die Lenkstange übertragen. Darüber kam dann der Lenker, wurde zur Spur ausgerichtet und das Blech an Lenker geschweißt. Im Prinzip hat der Lenker nun ein 6er Langloch. Der Aufwand war wichtig um das Lenkspiel so gering wie möglich zu halten.

Bei der Bremse geht nochmal ein Danke an Tackleberry der die tolle Idee mit dem Doppelbremsgriff hatte. So einer wurde gekauft und kann somit beide Räder getrennt und doch synchron bremsen.

Da ich nun kleinere Räder hatte, konnte der Rahmen etwas gekürzt werden und dient gleichzeitig als Halterung für die Bremse.

Hier fehlen mir irgendwie die Bilder und ich kann nur mit Videos dienen. Diese sollten aber so weit alle Details zeigen.

Damit gab es die erste Testfahrt.

Zwei mal 46Nm waren zu viel für die originalen Plastikteilen an den Hinterrädern.

Da fällt mir ein, ich habe noch gar nichts zur Kraftübertragung an den Rädern gesagt. Also diese Plastikteile stecken am Hinterrad und greifen in die Speichen. Ich habe dann einfach eine Nut reingefräst und an der selben Stelle an der Hinterachse einen Kerbstift eingesetzt. Eigentlich ganz einfach, wenn die Plastikteile nicht aus Plastik wären. Klingt komisch, ist aber so. Sie hielten dem Druck einfach nicht stand und mussten ersetzt werden.Das muss natürlich auch nach was aussehen! Also habe ich zum einen die Plastikteile aus Alu nachgedreht und zur Kraftübertragung zwei Halbschalen gefertigt (erst drehen, bohren und dann aufsägen), welche mit mehreren Schrauben hinter die Speichen gespannt werden. Lecker VA-Schrauben runden das Bild ab.

Wie den Gasbowdenzug, habe ich irgendwie auch das Trittbrett vergessen. Man möge mir verzeihen. Hier sind ja nun noch diverse Teile zu sehen.

Nun ging es ans lackieren. Anschleifen, Haftgrund, Lack und Klarlack. Den Rahmen wollte ich komplett lackieren, damit später beim Verschrauben keine Farbe abblättert. Wichtig war mir aber, dass die VA-Schrauben blank bleiben. Daher habe ich die Schrauben alle gegen einfache ausgetauscht, lackiert und dann einzeln wieder mit den VA-Schrauben gewechselt. Ich finde, eine interessante Optik.

Das Auto fährt, alles funktioniert und ich darf spielen. 🙂

Jetzt kommt das Licht! Lange habe ich im Netz gesucht, bis ich was passendes gefunden habe. Bei allen Leuchten handelt es sich um LED-Tagfahrlicht mit 12V. Das war mir auch wichtig, denn die Stromversorgung sollte ein blauer 10,8Li-Akku übernehmen. Ich hatte keine Lust (wie beim letzten Auto) ständig nach Batterien zu suchen. Nun bin ich allerdings kein Fan von Kabelgefummel am Akku, schon gar nicht bei Li-Akkus. Daher kam mir die Idee ein blaues Werkzeug zu nehmen und als Akkuhalter zu degradieren. Zum Opfer fiel mir dann eine GLI 10,8 LI. Klein in der Bauform, gut mit einer Rohrschelle zu befestigen und der Schalter kann sogar genutzt werden.



So, nun habe ich es geschafft. Der Renner steht, fährt, bremst, leuchtet…… Jetzt muss er nur noch siegen.

Akkurenner 2013_007

Das mit dem Siegen hat nur teilweise funktioniert aber wir sind stolz auf uns. Ich denke, der Renner ist klasse geworden und Julchen ist super gefahren. Dafür, dass die Technik aussetzt, konnten wir beide nichts.

Endergebnis:

  • 3.Platz in der Kettcar-Klasse
  • 1.Platz im Distanzrennen
  • für mich der Tagessieg „Bester Schrauber“

 

Über den Autor:

Ich - gelernter Zerspanungsmechaniker, Hausbauer, Heimwerker und Familienvater mit einer ausgeprägten Internetaffinität.

4 Gedanken zu „Akkuschrauberrenner

  1. Hallo
    > Habe deine gute Bauanleitung für den Akkukart gelesen. Habe etwas ähnliches vor. Ich habe allerdings immer Probleme mit der sog. Spindelbremse am Schrauber. Ich habe eine 14,4V AEG. Das kracht und hakt wenn man das Gas wegnimmt. Ich habe allerdings den Schrauber nicht mit Kette mit der Achse verbunden sondern über Winkelgetriebe direkt (Ist ein Roller) Wie hast Du das gelöst oder gibt’s das Problem mit den Boschteilen nicht? Danke für Deine Tips. Grüße Christian

    1. Doch, dieses Problem gibt es wohl bei allen neueren Schraubern. Also auch bei Bosch.
      Darum arbeiten die meisten beim Akkuschrauberrennen nur mit einem Reibrad oder Keilriemen. Beides bietet Schlupf und lässt den Schrauber nicht so leiden. Allerdings möchte ich die volle Kraftausnutzung und setze daher auf eine Kettenübertragung. In diesem Fall könnte man das mit einem Leerlauf regeln. Also einfach ein Hinterrad eines Kinderrades mit integrierten Freilauf einbauen. Ist das nicht möglich, kann man sich natürlich auch an dem Schrauber vergehen und die Sperre ausbauen. Das hat aber auch Nachteile. Zum einen besitzt nicht jeder die Fähigkeit oder Möglichkeit dazu, erlischt wahrscheinlich die Garantie und Werkzeuge lassen sich später schlechter einspannen. Kommt man damit klar ist es eigentlich kein Problem.
      Ich weiß nicht, wie Dein Schrauber aufgebaut ist, aber bei Bosch sitzt vorne ein Paket mit Planetengetriebe. Dieses zerlegt, bietet am Ende Sicht auf eine Metallscheibe mit länglichen Ausfräsungen in denen sich kleine Bolzen (wie im Wälzlager) hin und her bewegen können. Das ist die Sperre. Versucht man vorne das Futter zu drehen, wandern die Bolzen in der Ausfräsung an den Rand, drücken dagegen und sperren die Drehbewegung. Diese (in meinem Fall drei) Bolzen einfach rausnehmen (mitunter sind noch weitere vorhanden, die aber nicht in einer Ausfräsung Spiel haben) und die Bremswirkung ist nicht mehr so brachial. Wie gesagt, bietet das Getriebe nun aber auch weniger Gegendruck wenn man ein Werkzeug einspannen möchte und dreht sich mit.

      Ich hoffe, ich konnte Dir erst mal helfen. Wenn nicht, frag einfach.
      Ich würde mich auch über Bilder von Deinem Renner freuen und ihn hier gerne vorstellen.

      Gruß Ricc

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